Aktuelles
Arnsberg 2020: Jugendarbeit in den Dörfern stärken

Antrag

Die SPD-Fraktion sieht im Bereich insbesondere der nicht hauptamtlich betriebenen Jugendarbeit Verbesserungsbedarf, da in manchen Ortsteilen keine offene Jugendarbeit mehr angeboten wird und sie in einigen anderen wenig attraktiv erscheint. Sie beantragt zum Einen zu ermitteln, welche Wünsche und Bedürfnisse in den einzelnen Orten vorhanden sind. Zum anderen regt sie an, die professionelle Unterstützung der bestehenden Einrichtungen zu intensivieren.

 

Begründung

Für die SPD-Fraktion ist eine wohnortnahe offene Kinder- und Jugendarbeit als Teil der Sozialisation von großer Bedeutung, wie sie im entsprechenden Beschluss zur Weiterentwicklung der Präventionsarbeit durch den Rat von 2013 festgeschrieben wurde. Eine frühzeitig präventiv angelegte Kinder- und Jugendarbeit kann helfen, interventionistische Maßnahmen und damit auch Kosten für den Steuerzahler zu vermeiden.

 

Seit fast zehn Jahren funktioniert die offene Jugendarbeit im Wesentlichen auf einer doppelten Basis. In Arnsberg, Neheim und Hüsten existieren hauptamtlich geführte Jugendzentren, sowie die ebenfalls hauptamtlich betriebenen Einrichtungen auf Quartiersebene in Moosfelde und Gierskämpen. Insbesondere in den Dörfern findet Kinder- und Jugendarbeit getragen von Vereinen oder Kirchengemeinden dagegen ehrenamtlich statt. Die Erfahrungen mit dieser Arbeit vor Ort sind sehr unterschiedlich. In einigen Orten sind die Jugendräume regelmäßig geöffnet und werden recht gut angenommen, in anderen dagegen scheint es Mängel zu geben oder es findet überhaupt keine Kinder- und Jugendarbeit mehr statt. Von wenigen Ausnahmen abgesehen, handelt es sich lediglich um Treffpunkte, ein pädagogisch gestütztes Programm gibt es eher selten.

 

Für die SPD ergeben sich daher verschiedene Verbesserungsmöglichkeiten.

1. Dass es in manchen Orten überhaupt keine Jugendräume mehr gibt, hängt zum einen damit zusammen, dass es keinen Träger gibt. Zum anderen wird auf den fehlenden Bedarf verwiesen.
Dieser ergibt sich erst, wenn Vereine oder Jugendliche den Wunsch nach einem Jugendraum artikulieren. Teilweise stehen auch keine Räume mehr zur Verfügung.

 

Für die SPD scheint es nötig, dass wir besser über die Wünsche und Bedürfnisse der Jugendlichen in den Dörfern und Quartieren Bescheid wissen. Es ist durchaus möglich, dass es angesichts der wachsenden Bedeutung von Ganztagsschulen und einem veränderten Freizeitverhalten neben den bestehenden Vereinen vor Ort keinen Bedarf für einen offenen Treffpunkt gibt. Es kann aber auch sein, dass ein solcher nicht offen artikuliert worden ist.

 

Wir fordern die Verwaltung daher auf, gegliedert nach Abgrenzung der Bezirksausschüsse oder einzelner Ortschaften bzw. Stadtquartiere die Wünsche und Bedürfnisse der Jugendlichen zu ermitteln. Eine Möglichkeit ist eine Onlineumfrage. Leider lassen sich die Ergebnisse der großen Jugendbefragung nicht auf die einzelnen Dörfer und Quartiere runter brechen, weil sie auf Ebene der Schulen erhoben worden sind. Eine neuerliche Umfrage müsste den Wohnort als Bezugspunkt haben.

 

Eine weitere Möglichkeit Kommunikationskanäle zwischen den Jugendlichen, den Trägern und der Verwaltung zu eröffnen, sind Jugendkonferenzen, wie sie die SPD-Fraktion bereits gefordert hatte und zum Beispiel in Herdringen auf den Weg gebracht wurde. Eventuell lassen sich beide Formen aber auch kombinieren. Zunächst eine Umfrage als Basis für das weitere Vorgehen und dann zur Konkretisierung eine Jugendkonferenz.

 

Sollte sich ein Bedarf etwa für Jugendräume oder Verbesserungswünsche abzeichnen, ist unter Einbeziehung der dörflichen Strukturen (Bezirksausschüsse, Vereinsringe usw.) nach Lösungen zu suchen. Besonders wünschenswert wäre es, wenn die gesamte Dorfgemeinschaft ein solches Projekt mitträgt und nicht ein Verein damit allein gelassen wird.

 

2. Angesichts der Haushaltslage ist auch für die SPD-Fraktion ein Zurück zu städtisch finanzierten Jugendräumen mit hauptamtlichen Personal in den Dörfern nicht realistisch. Aber eine stärkere professionelle Unterstützung der Jugendarbeit scheint doch geboten zu sein.
Im Rahmenkonzept der verbandlichen und offenen Kinder- und Jugendarbeit sind verschiedene Maßnahmen zur Qualitätsentwicklung auch der ehrenamtlich betriebenen Einrichtungen vorgesehen. Dazu gehört auch, dass die Fachkräfte der hauptamtlichen Jugendzentren die ehrenamtlich Tätigen in den Ortsteilen begleiten und beraten sollen.

 

Angesicht der Defizite in einzelnen Einrichtungen ist aus unserer Sicht eine Intensivierung der professionellen Unterstützung nötig. Vorstellbar ist, dass pädagogische Fachkräfte nicht nur beraten, sondern stundenweise vorübergehend in den Jugendräumen der Dörfer aktiv eingesetzt werden, um etwaige Probleme vor Ort kennen zu lernen und mit den Ehrenamtlern Lösungsmöglichkeiten oder ein maßgeschneidertes pädagogisches Konzept zu erarbeiten. Es bietet sich an, vorrangig die Einrichtungen in den Blick zu nehmen, wo es derzeit wenig Aktivitäten gibt.

 

Sowohl bei einer Neueinrichtung wie auch bei einer qualitativen Verbesserung der bestehenden Arbeit ist es wichtig, dass die Beteiligten nicht nur über die von der Stadt gewährten Zuschüsse sondern auch über andere „Fördertöpfe“ etwa des Landes informiert werden.