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„Inklusion muss jetzt vor Ort geplant werden!“ Der Landesbehindertenbeauftragte Norbert Killewald zu Gast in Neheim

Auf Einladung des SPD-Unterbezirks HSK und des Stadtverbandes Arnsberg war der Landesbehindertenbeauftragte Norbert Killewald Hauptredner einer Podiumsdiskussion in der Tagesstätte der AWO „Lichtblick“ in Neheim. Der Stadtverbandsvorsitzende Gerd Stüttgen freute sich, dass trotz sehr kurzfristiger Einladungen, schlechten Wetters und vieler anderer Veranstaltungen zahlreiche Besucher insbesondere von Behindertenverbänden, Selbsthilfegruppen oder Behördenvertreter den Weg in die alte Brökelmannsche Fabrik gefunden hatten.
Eingangs referierte Killewald über die aktuellen Entwicklungen im Bereich der Behindertenpolitik in NRW. Er verwies unter anderem auf bevorstehende Veränderungen im Baurecht hinsichtlich der Barrierefreiheit und der Verpflichtung bei Baumaßnahmen die Behindertenvertreter zu hören.
Das Thema schulische Inklusion stand naturgemäß ganz oben auf der Agenda. Killewald geht davon aus, dass es bei allen Problemen im Detail in überschaubarer Zeit zu einem entsprechenden Gesetz kommen wird. Bemerkenswert ist, dass schon jetzt die Tendenz eindeutig in Richtung Inklusion im Grundschulbereich geht. Zwangsläufig muss dieser Wandel und die abnehmenden Schülerzahlen zu Veränderungen im Bereich der Förderschulen führen. Sehr bemerkenswert findet Killewald, die im landesweiten Vergleich sehr hohe Dichte an Förderschulen im HSK. „Sie müssen im Kreis aber auch in Arnsberg jetzt kommunalpolitisch die Inklusion vor Ort planen, ehe sie von der Entwicklung überrollt werden,“ so Killewald.
In einer Podiumsdiskussion moderiert vom SPD-Bundestagskandidaten Dirk Wiese gingen Claudia Brozio (Leiterin der Ruth-Cohn-Schule), Meinolf Franke (Behinderteninteressenvertretung der Stadt Arnsberg), Silvia Voß (Leiterin Tagesstätte „Lichtblick“) aus ihrer Sicht auf die Thematik ein. Anschließend hatten alle Teilnehmer die Möglichkeit sich an der Diskussion zu beteiligen. Im Grunde bestand Einigkeit, dass das Ziel eine inklusive Gesellschaft sein muss. Allerdings muss der Weg dahin mit Sorgfalt und Augenmaß gegangen werden. Es ist etwa eine Illusion zu glauben, dass alle Kinder auf einer Regelschule unterrichtet werden können. Dies trifft auf besonders schwer behinderte Kinder und Jugendliche ebenso zu wie auf stark Verhaltensauffällige. Es ist im Übrigen auch nötig, dass Inklusion auch im Bereich der Berufskollegs Thema wird.
Einigkeit bestand auch darin, dass Inklusion eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe ist. Egal mit welcher Behinderung auch immer, jeder muss die Möglichkeit haben, an allen Bereichen der Gesellschaft von Anfang an gleichberechtigt teilzuhaben. Allerdings ist festzustellen, dass dazu noch hohe Barrieren in den Köpfen abgebaut werden müssen. Aus dem Publikum kam der Hinweis, dass dazu ein intensiver und regelmäßiger Dialog auch auf kommunaler Ebene nötig ist. Vor dem Hintergrund der enormen Herausforderungen auf dem Weg zur Inklusion vor Ort, wurde auch über die Einrichtung eines „Inklusionsbeirats“ zur Vernetzung der Behindertenorganisationen, Selbsthilfegruppen, interessierten Bürgerinnen und Bürgern, Kommunalpolitik und Verwaltung gesprochen. Es wurde auch deutlich, dass die SPD vor Ort sich an dieser Diskussion intensiv beteiligen wird.