Aktuelles
Junge Flüchtlinge für den Arbeitsmarkt fit machen.

Die SPD-Fraktion und DIE LINKE. Fraktion im Rat der Stadt Arnsberg beantragen zur Integration von jungen Flüchtlingen und Asylbewerbern in den Arbeitsmarkt, dass die Stadt Arnsberg in Zusammenarbeit mit dem kommunalen Integrationszentrum des Kreises baldmöglichst eine Informations- und Anmeldeoffensive mit dem Ziel startet, einerseits die Unternehmer über die Möglichkeiten der Beschäftigung von Flüchtlingen in Praktika aufzuklären und andererseits die Flüchtlinge über Möglichkeiten der Qualifizierung in Berufsvor­bereitungsklassen der Berufskollegs zu informieren. Die Verwaltung wird aufgefordert, sich für dieses An­liegen bei den zuständigen Stellen des Hochsauerlandkreises einzusetzen. Der vorliegende Antrag ist dabei als Ergänzung und Erweiterung des Antrages vom 18.9.2015 zu verstehen.

 

Begründung
Die Zahl der Flüchtlinge, Asylbewerber und in absehbarer Zeit auch der anerkannten Asylanten wird auch in Arnsberg mindestens das Niveau der 1990’er Jahre erreichen. Für die Integration dieser Menschen ist der Zugang zum Arbeitsmarkt besonders wichtig. Arbeit hilft, das Selbstwertgefühl wieder herzustellen. „Arbeit ist entscheidend für menschliche Würde, sie erleichtert die Gesundung nach traumatischen Erleb­nissen, sie ermöglicht finanzielle Unabhängigkeit.“ Verschiedene Verbände und Gewerkschaften mahnen konkrete Maßnahmen an, um ganz konkret Flüchtlingen den Zugang zum Arbeitsmarkt mit Ausbildung und qualifizierenden Abschlüssen zu erleichtern.

 
Die Neuankömmlinge wollen in aller Regel so bald wie möglich qualifizierte Bildungsabschlüsse erreichen oder streben eine Berufsausbildung an, um ihren Lebensunterhalt selbst zu verdienen. Ausbildungen auch von Asylbewerbern können mit BAFÖG gefördert werden. Frühere Wartezeiten zur Förderung einer Ausbil­dung wurden mit der Novelle des BAFÖG 2014 auf 15 Monate verkürzt. Weitere Hindernisse zur Beschäfti­gung von Asylbewerben sind jüngst beseitigt worden. Statt überlanger Wartezeiten ist mittlerweile die Ar­beits- und Praktikumsaufnahme frühesten drei Monate nach der Ankunft in Deutschland möglich. Wenn auch noch nicht alle Hürden abgebaut worden sind, ist die Arbeitsaufnahme deutlich einfacher als früher.
Ein qualifizierender Hauptschulabschluss kann auch von unter 18 jährigen Antragstellern durch einjährige Teilnahme der vollzeitschulischen Bildungsmaßnahme in Klassen der Ausbildungsvorbereitung AVV (Vollzeit) und AVP (mit Praktikumsstelle) erreicht werden. Weiterführende Abschlüsse wie der Sekundarabschluss I, Realschulabschluss kann in zweijährigen Bildungsgängen der Berufsfachschule des Berufskollegs erreicht werden. Viele der 900 hier 2015 zugezogenen Personen verfügen über brauchbare Englischkenntnisse, die in der Schule benötigt werden. Fachmathematische und Deutschkenntnisse wer­den schulisch vermittelt.

 

Viele Unternehmen möchten aus unterschiedlichen Gründen gerne Flüchtlinge einstellen. Auch aus gesell­schaftlicher Sicht ist eine berufliche Qualifizierung vor einer Arbeitsaufnahme von Asylbewerbern notwen­dig, da mindestens das Arbeitsschutzrecht und die Unfallverhütung gelehrt werden müssen. Fächer wie Politik und Wirtschaftslehre vermitteln Orientierung zu Grundlagen des gesellschaftlichen und politischen Lebens.

 
Auch wenn die Arbeitsaufnahme von Flüchtlingen deutlich einfacher geworden ist, besteht auf Seiten vieler Arbeitgebern noch Unsicherheit zum einen hinsichtlich der rechtlichen Situation aber auch mit Blick auf die ganz praktischen Probleme der Einbeziehung von Flüchtlingen in die Betriebe. Selbstverständlich besteht auch heute bereits die Möglichkeit sich bei den Berufskollegs, Arbeitsagenturen, Kammern und anderen Akteuren auf dem Arbeitsmarkt zu informieren. Die SPD und DIE LINKE. hält es aber für sinnvoll, dass den jungen Flüchtlingen, die nicht mehr der Vollzeitschulpflicht unterliegen, Informationen und Wege zur Anmeldung an einem Berufskollegs vermittelt werden. Dies könnte in Form Beratungsgesprächen, In­formationsveranstaltungen oder auch in schriftlicher Form durch die Berufskollegs direkt geschehen. Lobend kann man auf das Projekt „Angekommen in Dortmund“ verweisen. Hier existiert für alle Dort­munder Berufskollegs ein Sozialraum „Adams-Corner“, in dem die neu angekommenen Schüler schulergänzenden Unterricht bekommen. Ähnliches wäre auch in Arnsberg wünschenswert.

 
Wir schlagen außerdem vor, dass Bürgerinnen und Bürger etwa aus den Helfer- und Freundeskreisen mit Asylbewerbern Berufsinformationszentren, Praktikumsbetriebe und Berufskollegs in Zusammenarbeit mit dem kommunalen Integrationszentrum zur Information über die Bildungsmöglichlichkeiten an den Berufs­kollegs besuchen.
Wichtig scheint es uns, die entsprechenden Kapazitäten an den Berufskollegs auszubauen. Nur zwei Klas­sen in Meschede und Arnsberg mit 23 bzw. 20 Schülerinnen und Schülern werden den Bedarf nicht abde­cken können. Zur Zeit (Februar 2016) besteht bereits eine Warteliste von über 50 Schülerinnen und Schü­lern.1 Allein in Arnsberg fehlen demnach 25 Plätze. Bei der Schaffung weiterer Kapazitäten sollte, spätes­tens nach der Phase des rudimentären Spracherwerbs, die Methode des Auffüllens und Teilens bestehen­der Klassen Exklusion verhindern. Hier müssen in Ausnahme auch zusätzliche und unbürokratische Anmel­dezeiten ermöglicht werden, da der normale Weg der Online-Anmeldung der Schüler abgebender Schulen neuen Mitbewohnern ja verwehrt ist.
Wir fordern die Verwaltung auf, sich mit den zuständigen Kreisbehörden in Verbindung zu setzen, um die genannte Ziele umzusetzen.