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Müntefering (MdB): Demografischer Wandel ist keine Gefahr für das Sauerland, sondern eine Chance

Der Arnsberger Stadtverbandsvorsitzende Gerd Stüttgen konnte zu Beginn seiner Eröffnungsrede eine volle „Kulturschmiede“ begrüßen. Annähernd 100 Bürgerinnen und Bürger hatten den Weg zur „Fraktion-vor-Ort“-Veranstaltung der SPD-Bundestags-fraktion gefunden, um mit den Bundestagsabgeordneten Petra Crone und Franz Müntefering zum Thema „Miteinander der Generationen im Demografischen Wandel“ zu diskutieren. Der Vorsitzende des SPD-Stadtverbandes Arnsberg, Gerd Stüttgen, eröffnete die Veranstaltung und machte deutlich wie viele Themenbereiche von den Auswirkungen des Demografischen Wandels betroffen sind, u.a. Gesundheit, wohnortnahe ärztliche Versorgung, barrierefreier Wohnraum, Fachkräftemangel, Infrastruktur, aber auch die Herausforderungen für die Pflege.

 

In seiner Rede machte Franz Müntefering die Dimension und Dynamik der Veränderungen anhand der Begriffe „weniger-älter-bunter“ deutlich. Weniger: Nach aktuellen Zahlen des Statistischen Bundesamtes wird die Zahl der Menschen in Deutschland von aktuell 81 Mio. auf ca. 65 Mio. im Jahr 2050 zurückgehen. Dies allerdings unter Annahme einer Netto-Zuwanderung von 100.000 Menschen pro Jahr. Für Arnsberg rechnet man mit einem Rückgang von knapp 13 % allein bis 2030, so Müntefering (MdB). Älter: Die Lebenserwartung steigt – heute ist das Erreichen des 80., gar 90. Lebensjahres keine Seltenheit mehr. Diese Entwicklung setzt sich fort. Heute stehen in Arnsberg 100 Menschen zwischen 20 und 64 Jahren 38 Menschen im Alter über 65 gegenüber. Im Jahr 2030 werden es schon 57 Menschen im Alter über 65 sein. Eine enorme Herausforderung für die sozialen Sicherungssysteme, aber auch für die Infrastruktur vor Ort. Bunter: Die Zahl der Menschen mit Migrationshintergrund nimmt zu. Das ist gut so. Auch der Zustrom von Arbeitskräften aus Portugal und Spanien im Verlauf der aktuellen Finanz-Krise in Europa ist eine zu begrüßende Entwicklung. Allerdings müssen vor Ort die Chancen dieser Entwicklung gesehen und genutzt werden.

 

Petra Crone (MdB) verwies in ihren Ausführungen auf die großen Herausforderungen im Bereich der Pflege. Die steigende Zahl an pflegebedürftigen Menschen stellt die Politik dabei vor akuten Handlungsdruck. Eine Neudefinition des Pflegebedürftigkeitsbegriffs ist dringend erforderlich, dementiell erkrankte Menschen bedürfen einer zusätzlichen Unterstützung. Zudem ist die eingeführte Familienpflegezeit zu unverbindlich, ein Rechtsanspruch auf Pflegezeit für die arbeitenden Angehörigen müsste her. Bekanntlich herrscht schon heute in der Pflege ein Fachkräftemangel. Eine endlich angemessene Bezahlung könnte hier Abhilfe schaffen, so Petra Crone (MdB).

 

In der anschließenden Diskussionsrunde machten die Teilnehmer noch einmal deutlich wie wichtig die Bereitstellung von barrierefreiem Wohnraum ist. Dabei ist klar: Verpflichtende Regelungen beim Neubau hin zu mehr Barrierefreiheit sind kostengünstiger als ein späterer Umbau. Allerdings müsste dieser durch steuerliche Vergünstigungen oder zinsgünstige Zuschüsse gefördert werden. Wichtig ist, die Stärken der Region Südwestfalen, gerade auf dem Arbeitsmarkt, noch markanter hervorzuheben. „Südwestfallen ist das industrielle Zentrum in NRW“, so Franz Müntefering (MdB). „Das müssen wir noch bekannter machen. Denn hier kann man gut leben und arbeiten“. Weiterer Diskussionspunkt waren die Auswirkungen des Demografischen Wandels auf das Ehrenamt: Finden wir heutzutage überhaupt noch genügend motivierte junge Leute, z.B. für die freiwilligen Feuerwehren auf den Dörfern?

 

Die SPD im Hochsauerlandkreis wird die Diskussion fortsetzen. Am 19. September geht es in Sundern weiter. Der Vorsitzende der SPD im HSK, Dirk Wiese, lud zum Mitmachen ein: „Seit 2010 gibt es bei der HSK-SPD einen offenen Arbeitskreis zum Thema Demografischer Wandel. Kommen Sie vorbei, machen Sie mit. Gemeinsam, jung und alt, können wir mit innovativen Ideen und Konzepte die vor uns liegenden Herausforderungen meistern. Denn der Demografische Wandel ist eine Chance, eine Chance zu gestalten, um unsere Region trotz einer abnehmenden Bevölkerung zukunftsfest zu machen.“ Die nächste Sitzung des Arbeitskreis Demografischer Wandel findet am 4. September in Arnsberg statt. Infos hierzu gibt es auf der Homepage der HSK-SPD unter www.hsk-spd.de/Termine oder telefonisch unter 0291/ 99670.