Aktuelles
Teilnahme am Pilotplanungsprozess „Kulturplanung“

Die SPD-Fraktion im Rat der Stadt Arnsberg beantragt:

 

Die Stadt Arnsberg bewirbt sich gemeinsam mit der Stadt Sundern um die Teilnahme am Pilotplanungsprozess „Kulturplanung“ im Rahmen der Kulturentwicklungsplanung des LWL für Westfalen-Lippe.

 

Begründung:

Unter Federführung des LWL findet derzeit eine Kulturentwicklungsplanung für ganz Westfalen-Lippe statt. Daran beteiligen sich zahlreiche Kommunen, Landkreise, sowie Kunst- und Kulturschaffende, Vereine, Verbände, PolitikerInnen, die NRW- Landesregierung und die Regionale 2013.

 

Ziele dieser erstmalig westfalenweiten Kulturentwicklungsplanung sind: Kunst, Kultur und kulturelle Bildung in den Kommunen sichtbarer zu machen, Kulturangebote besser zu vernetzen, Impulse für Neues zu geben, Kulturförderung effektiver zu machen sowie Westfalen-Lippe als Kulturregion besser zu vermarkten. Im Rahmen dieser Kulturentwicklungsplanung erhalten sechs Pilotkommunen die Gelegenheit, kostenlos eine moderierte Kulturplanung durchzuführen. Die Kosten für Moderation und Beratung für die Pilotplanungsprozesse werden vom Projekt „Kultur in Westfalen“ übernommen.

 

Die SPD-Fraktion beantragt daher, dass sich die Stadt Arnsberg zusammen mit der Stadt Sundern als eine interkommunale Pilotkommune um die Aufnahme in den o.g. Pilotplanungsprozess „Kulturplanung“ bewirbt und diesen nach erfolgtem Zuschlag durchführt. Vorgeschlagen wird der Typ „Kulturentwicklungsplanung“.

 

Eine Kulturentwicklungsplanung besteht aus:

  • Zustandsbeschreibung und Analyse der bestehenden Aktivitäten
  • Einschätzung gesellschaftlicher Zukunftsentwicklungen, die die Kulturarbeit beeinflussen
  • Zielentwicklung
  • Beschreibung der Maßnahmen und Projekte zur Umsetzung der Ziele
  • Quantifizierung und Priorisierung
  • Zeit- und Finanzplanung.

 

Arnsberg zeichnet sich durch eine Vielfalt von Kunst und Kultur, gelebten Traditionen, ein reges Vereinsleben und viele hier ansässige kulturell aktive Personen und Gruppen aus. Doch der demografische Wandel und der gesellschaftliche Wandel machen auch vor unserer Stadt nicht halt. Mitgliederrückgänge in den Vereinen und Gruppen sind nicht nur Folge des demografischen Wandels, sondern auch Kennzeichen des gesellschaftlichen Wandels, hervorgerufen einerseits durch die vielfältigen Möglichkeiten neuer Medien, andererseits durch gestiegene Anforderungen der Arbeitswelt, durch erhöhten Zwang zu Mobilität und Flexibilität.

 

Die SPD-Fraktion sieht es in Zeiten immer knapper werdender Ressourcen auch als notwendig an, im Bereich der Kultur die interkommunale Zusammenarbeit mit der Nachbartstadt Sundern zu stärken und dadurch Synergien zu ermöglichen. Diese räumlich enge Nachbarschaft erfährt bereits heute eine intensivere Zusammenarbeit durch die gemeinsame VHS Arnsberg-Sundern, mit der bereits ein wichtiger Schritt gemeinsamer Zusammenarbeit vollzogen worden ist. Von daher sollten die Städte Arnsberg und Sundern auch eine gemeinsame Kulturentwicklungsplanung realisieren. Diese Zusammenarbeit wird nach unserer Auffassung durch eine gemeinsame Kulturentwicklungsplanung und eine gezielte kulturpolitische und kulturelle Vernetzung erweitert und vertieft. Mit der gemeinsamen Kulturentwicklungsplanung wird zudem in Analyse, Konzept und konkreten Maßnahmen etwas nachvollzogen und strategisch geplant, was bereits Realität ist: eine sich über die eigenen Stadtgrenzen hinweg erstreckende Nachfrage nach Angeboten in Kunst, Kultur und kultureller Bildung sowie nach Angeboten der Schul-, Aus- und Weiterbildung und nach Arbeitsplätzen.

 

Mit Hilfe der Kulturentwicklungsplanung sollen Antworten auf viele Fragen gegeben werden, bspw. auf nachfolgende:

Welche Aufgaben nimmt das städtische Kulturbüro wahr? Ist das Kulturbüro entsprechend den Anforderungen ausreichend mit Personal und städtischen Finanzmitteln zur Förderung von Kunst, Kultur und kultureller Bildung ausgestattet? Wie gestaltet sich die Kooperation mit Kunst- und Kulturschaffenden, innerhalb der Verwaltung mit anderen Fachdiensten, mit dem Kulturbüro des HSK, mit dem Kulturbüro anderer Kommunen? Inwiefern werden in der Förderung gesellschaftliche Entwicklungen berücksichtigt, bspw. in der Schule und in der Jugendarbeit? Aus welchen Fördertöpfen werden Projekte gefördert und wer profitiert davon? Welche Zielgruppe wird weniger oder gar nicht erreicht? Gibt es vermeidbare Reibungsverluste oder unnötige Doppelstrukturen?

 

Bezogen auf die angestrebte interkommunale Zusammenarbeit: Was hat Sundern, was Arnsberg nicht hat und umgekehrt? Wie lassen sich Kulturarbeit und Kulturangebote interkommunal bündeln? Gibt es Bedarfe, die hier wie dort nicht oder nicht ausreichend befriedigt werden können? Für welche Projekte sind gemeinsame Förderanträge möglich und sinnvoll? Können dem Wirtschaftszweig „Kreativwirtschaft“ neue Impulse verliehen werden? Schließlich: Ist die Region Arnsberg/Sundern gut aufgestellt mit einer zukunftsfähigen Kulturpolitik, die die kulturelle Vielfalt sichert, neue Impulse zulässt und fördert und zugleich für Kommunen und BürgerInnen weiterhin bezahlbar ist?

 

Zukunftsfähig ist eine Kulturpolitik dann, wenn sie ressortübergreifend sowie Lebensumfeld – und lebenszyklusbezogen ausgerichtet ist. Zukunftsfähige Kulturpolitik greift Traditionen auf. Zukunftsfähige Kulturpolitik bejaht zugleich neue Entwicklungen und neue Initiativen. Eine zukunftsfähige Kulturpolitik ist zudem ein wichtiger Standortfaktor für Unternehmen, die für ihre Beschäftigten und deren Familien ein vielfältiges Kulturangebot benötigen.

 

Eine zukunftsfähige Kulturpolitik bietet in der Familien-, Schul-, Kinder- und Jugendpolitik ein quantitativ gutes und ausreichendes Angebot der kulturellen Bildung, formell wie auch informell. Informelle Kulturangebote müssen dabei auch für sozial schwächere und bildungsferne Menschen interessant und bezahlbar sein sowie niedrigschwellig angeboten werden, damit diese auch angenommen werden. Last but not least: Eine zukunftsfähige Kulturpolitik ist ein wichtiger Baustein für den Erhalt und die Weiterentwicklung unserer Strukturen.

 

Die beantragte interkommunale Kulturentwicklungsplanung Arnsberg/Sundern als moderierter Prozess bietet den idealen Rahmen, um diese und andere Fragestellungen systematisch bearbeiten zu können. Zugleich wird die Möglichkeit eröffnet, geplante Projekte der Regionale 2013 systematisch auf weitere Synergien zu überprüfen.

 

Die SPD-Fraktion im Rat der Stadt Sundern hat einen inhaltsgleichen Antrag gestellt.