Anna Lena Brandt
Anna Lena Brandt

Bluten ist kein Luxus – und es gibt sie doch, die Periodenarmut…

… weltweit, aber auch in Deutschland. Aber warum ist die Periode eigentlich überhaupt ein wichtiges Thema?!

Etwa die Hälfte der Weltbevölkerung hat eine Gebärmutter und blutet einmal im Monat.

Die Menstruation nimmt einen beträchtlichen Teil des Lebens einer davon betroffenen Person ein und gehört zum Leben beim Erwachsen-werden einfach dazu. Sie macht keinen Unterschied zwischen arm und reich. Benötigt werden bei der Blutung dann im besten Fall Tampons, Binden oder Tassen. Die aber kosten Geld – und das nicht zu wenig.

In Deutschland sind alleine etwa 100.000 Menschen von der sogenannten „Periodenarmut“ betroffen. So nennt man es, wenn Betroffene während der Monatsblutung keine Möglichkeit haben, sich mit den notwendigen Hygieneartikeln auszustatten.

Essen oder Tampons:

Was würdest du tun, wenn du vor dieser Wahl stehen würdest?

Lieber hungern oder lieber „sauber“ bluten?

Ein Dilemma, das selbst bei uns in Deutschland immer noch zu viele Menschen be-trifft.

Periodenarmut berührt ein Tabu-Thema, das auf jeden Fall mehr positive Aufmerksamkeit verdient hat und dringend auf einen gesunden Weg gebracht werden muss. Seit Jahren kursiert eine Zahl in den Medien, wie viel die Periode eine menstruierende Person im Laufe ihres Lebens angeblich kosten soll: um die 20.000 Euro.

Andere Schätzungen kommen auf um die 15.000 oder 7.000 Euro. Die Basis für diese Zahlen ist wacklig, aber die Tatsache bleibt: Die Monatsblutung verursacht Kosten – in Form von Tampons, Binden, Einlagen, Menstruationstassen, mitunter auch Schmerzmitteln und der ein oder anderen neuen Bekleidung.

Es mag für die meisten Betroffenen keine große Sache sein, eine Packung Tampons für 3 oder 4 Euro in den Einkaufskorb zu legen. Aber es gibt Menschen – auch  in Deutschland -, für die das schlicht und ergreifend nicht möglich ist.

Menschen, die von Grundsicherung oder Arbeitslosengeld 2 leben oder Menschen ohne festen Wohnsitz etwa. Vor allem letztere können sich Menstruationsprodukte kaum leisten. Dieses Dilemma hat unglaubliche Folgen physischer und psychischer Art.

Das Nutzen von Taschentüchern, Lappen, Handtüchern oder Socken, das zu lange Belassen von Tampons im Körper, kein „normaler“ Zugang zu sauberem Wasser zur Körperpflege etc. führen zu gefährlichen gesundheitlichen Folgen (Infektionen, toxische Schocksyndrome z.B.). Die gesellschaftliche Tabuisierung des Themas kommt erschwerend hinzu und führt zu psychischen Belastungen.

Zugang zu Periodenprodukten heißt Zugang zu sozialer Teilhabe

Menschen, die sich keine Periodenprodukte leisten könne, bleiben oft der Arbeit oder der Schule tagelang fern. Sie werden ausgegrenzt bzw. grenzen sich selbst aus wegen eines ganz natürlichen körperlichen Vorgangs.

Hinzu kommt, dass der Zyklus oft mit großer Scham, Stress und Schmerzen verbunden ist. Am besten passiert das alles ganz heimlich und unsichtbar. Menstruierende sollten nicht öffentlich erkennbar leiden, sondern weitermachen wie immer: das bisschen Bluten kann doch so schlimm nicht sein.

Von klein an wird Kindern oft beigebracht, dass es eine mittlere Katastrophe ist, wenn mal ein Fleck in der Hose ist. Instagram löscht gar Bilder mit Periodenblut.

Auch diese Stigmatisierung muss ein Ende finden.

Periodenartikel müssen für die Betroffenen kostenlos sein!

Seit Anfang des Jahres fällt auf Periodenprodukte der ermäßigte Mehrwertsteuersatz an. Es ist gut, dass Tampons nicht mehr zur Steuerkategorie Kaviar oder Trüffel gehören – aber das kann nur ein erster Schritt sein. Andere Länder haben Periodenprodukte schon komplett von der Mehrwertsteuer befreit. Außerdem bieten viele Länder Periodenprodukte an öffentlichen Orten gänzlich kostenfrei an. Wir sind überzeugt: DAS  muss auch bei uns gehen!

Arnsberg geht in ganz vielen Bereichen als Vorreiter voran.

Wir, die SPD-Fraktion, finden, das kann Arnsberg auch bei diesem Thema.

In Hamm sollen beispielsweise Automaten mit entsprechenden Periodenartikeln aufgestellt werden. Die dortige SPD hat einen solchen Automaten bereits als Muster in ihrem Büro stehen.

Wir haben aus oben angesprochenen Gründen beantragt, in allen öffentlichen Einrichtungen der Stadt (z.B. Theater, Schulen, Rathaus etc.) kostenlose Periodenprodukte zur Verfügung zu stellen. Unseren Antrag im Original findet ihr/ finden Sie hier:

Wir hoffen, dass die Verwaltung unserem Antrag folgt. Bei ersten Nachfragen und Gesprächen mit der Arnsberger Stadtverwaltung erreichen uns jedenfalls positive Signale.

Wir wollen dieses wichtige Thema auch in Arnsberg in den Fokus rücken und aus der Heimlichkeit herausholen.

Anna Lena Brandt                 Margit Hieronymus              Elisa Bach

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