Tim Breuner
Tim Breuner

Wohnen mal anders – Was sind eigentlich Tiny Houses und Ko-Dörfer?

Die Welt verändert sich – und wie wir in ihr wohnen

Wenn man heute Nachrichten und Berichte verfolgt merkt man schnell, dass sich unsere Welt immer schneller verändert. Oft diskutiert man über die neusten Trends die uns die technologische Entwicklung beschert. An diesen können wir oft am anschaulichsten und greifbarsten die Veränderung feststellen. Darüber hinaus betrifft es aber, oft erst unbemerkt, fast alle Bereiche unseres auch täglichen Lebens. Auch unser Zusammenleben und die Art wie und wo wir wohnen gehört dazu. In vielen Diskussionen höre ich immer wieder von neuen, modernen Wohnformen. Zwei davon möchte ich hier einmal genauer vorstellen: Das wohnen in sogenannten „Tiny Houses“ und eine neue Form des Zusammenlebens, das „Ko-Dorf“.

Mehr als winzig und mehr als ein Haus

Ein Tiny House, eigentlich „winziges Haus“, ist auf den ersten Blick von außen einfach nur ein wirklich winziges Haus. Vor allem im Vergleich zu den vielen Ein- oder Mehrfamilienhäusern die wir in Arnsberg oft gewohnt sind. Ein typisches Exemplar kommt auf eine Fläche von circa 15 bis 45m² und ist damit oft kleiner als viele Wohnungen. Der Charme eines Tiny House liegt oft in einem gewissen Minimalismus, der mit dem Einzug in ein solches Haus einhergeht. Daher spricht man auch von der Tiny-House-Bewegung, die diese Häuser nicht nur als (oft vermeintlich – aber dazu später mehr) günstige Alternative ansieht, sondern einen reduzierten und weniger auf Konsum ausgerichteten Lebensstil vorzieht. Ob die Reduzierung auf das Wesentliche der ursprüngliche Antrieb für die Beschäftigung mit dem Thema ist oder eher die Kostenersparnis, hängt von den persönlichen Lebensumständen ab.

Auch für Tiny Houses gelten bei uns Regeln

Es sei an dieser Stelle gesagt, dass Kauf oder Bau eines Tiny House in Deutschland oft noch deutlich schwieriger zu realisieren ist als z.B. in den USA. Auch sollte insbesondere das Argument „Tiny Houses sind eine günstige Alternative“ kritisch geprüft werden. Schon eine kurze Internetrecherche zeigt ein differenziertes Bild. Ich kann nur raten, offen für beide Seiten des Arguments zu sein! Insbesondere das Argument „Mobilität“ greift in den USA deutlich mehr als in Deutschland, da an den Betrieb eines Tiny House mit Rädern hierzulande die gleichen Anforderungen gestellt werden wie an ein Wohnmobil – inklusive Anmeldung und Versicherungen. Sobald das Tiny House als dauerhafte Wohnung genutzt wird, muss es auf einem entsprechenden Grundstück stehen – so wie jedes normale Haus. 

Arnsberg benötigt dringend bedarfsgerechten, bezahlbaren Wohnraum. Tiny Houses sind eine Möglichkeit dazu. Wir müssen sie intensiv prüfen – als Bauherren und auch als Politik. Der vor kurzem von der Fraktion der Grünen gestellte Antrag zu diesem Thema kann hier einen Anstoß geben.

KoDorf – Zusammen leben und arbeiten

Was hat es nun mit dem sogenannten Ko-Dorf auf sich? Man hört immer wieder, dass das Leben auf dem Dorf nicht attraktiv sei. Wir in Arnsberg sehen das zu Recht ganz anders. Wir leben in einer Stadt, die eine intakte Struktur mit einer guten Mischung aus Stadtteilen und Dörfern hat. Die Wege sind oft kurz, auch wenn die Verkehrsanbindung an manchen Stellen verbessert werden muss. Wenn man aber aus der Sicht eines „richtigen“ Stadtmenschen z.B. aus dem Ruhrgebiet auf Arnsberg schaut, dann ist wahrscheinlich alles was nicht mitten in Neheim oder „Alt“-Arnsberg ist „Dorf“ und in Bezug auf Infrastruktur eher schlecht ausgestattet. KoDörfer wollen hier einen Spagat schaffen.

Neues Konzept für Stadt-Leben auf dem Dorf

Es handelt sich dabei um ein sehr neues Konzept zu dem gerade die ersten Umsetzungen stattfinden. KoDörfer bestehen aus 50 bis 150 kleinen Häusern, die durch größere Gemeinschaftsgebäude ergänzt werden. Dazu können neben kleinen Kinos, Seminarräumen und Restaurants auch Gemeinschaftsküchen und Plätze zum gemeinsamen Arbeiten (Coworking Spaces – gibt es zum Beispiel schon in Neheim) gehören. All diese Elemente auf vergleichsweise wenig Raum sollen den Städter aufs Land locken und ihm die Annehmlichkeiten bieten, die ihn sonst in der Stadt halten würden. So bekommen Unternehmen Arbeitskräfte, die sonst nicht aufs Land kommen würden. Oder junge Erwachsene vom Land bleiben vielleicht vor Ort – Stadtfeeling inklusive. Wie gesagt, noch ist all dies nicht erlebbar, da die ersten KoDörfer gerade erst entstehen. Mir ist es aber wichtig, auch in Arnsberg kreativ und ohne Denkverbote in die Zukunft zu schauen. Wenn sich das Konzept woanders bewährt, darf auch Arnsberg offen darüber diskutieren.

Und jetzt? Was habe ich davon?

Beide von mir vorgestellten Wohnformen sind, zumindest in Arnsberg, noch Zukunftsmusik. Ich möchte daraus keinesfalls eine Forderung ableiten das eine oder andere unbedingt und sofort hier vor Ort umzusetzen. Vielmehr möchte ich zeigen, dass es in ganz Deutschland – und auch in Europa – interessante und beachtenswerte Projekte und Ideen gibt, die auch für Arnsberg interessant sein können. Lasst uns offen mit diesen Themen umgehen und die besten Ideen für Arnsberg sammeln und diskutieren. Ich freue mich darauf!

Im Text habe ich an mehreren Stellen auf interessante Artikel und Informationen verlinkt – schaut doch mal rein und macht euch Euer eigenes Bild! Weitere Ideen, wie in Arnsberg bedarfsgerechtes und bezahlbares Wohnen möglich sein kann haben wir euch hier aufgeschrieben.

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